Zehnerübergang Plus in 10 Minuten gelernt…!

Wie rechnen Sie?

Ist die Plusaufgabe 7 + 9 schwierig zu rechnen für Sie als Erwachsener?  Sicher nicht! Mit großer Wahrscheinlichkeit kommen Sie auch sofort auf das richtige Ergebnis! Ist doch einfach…

Die Frage ist allerdings, WIE Sie den Zehnerübergang errechnet haben. Auswendig gewusst? Oder doch gerechnet? Wie genau? Zur 7 noch 3 dazu und dann den Rest, oder zur 9 noch 1 dazu und dann den Rest?

Oder 5 + 5+ 2 + 4?

So einfach ist es also doch nicht. Für viele Kinder ist der Zehnerübergang schwierig. Und in der Schule ist es mittlerweile so, dass der Zehnerübergang teilweise gar nicht mehr thematisiert wird. In der Hoffnung, dass dann weniger Probleme entstehen.

Was genau ist das Problem?

Der Unterschied zwischen Kindern (oder Erwachsenen) ohne Probleme beim Zehnerübergang und Kindern mit Problemen liegt allein an diesen zwei Voraussetzungen:

  1. Sie zählen nicht weiter, sondern rechnen mit Strategie (so wie Sie als Erwachsener das tun)!
  2. Sie verstehen, was sie tun. Bedeutet: Sie haben verstanden, dass bei 10 die Stelle wechselt!

Zum Beispiel bei 7+9: Mit der einen Hand bis 7 zählen (1,2,3,4,5,6,7), dann weitermachen (jeden Finger einzeln aufstrecken, dabei weiterzählen: 8, 9,10,11,12,13,14,15,16).

Da wir aber nur 10 Finger haben, verrechnen sich viele Kinder und kommen auf völlig falsche Ergebnisse. Wie ärgerlich! Das Kind bemüht sich, verbraucht viel Energie und Denkleistung und am Ende hat es die Aufgabe falsch gelöst… Das motiviert nicht wirklich!

Damit das nicht passiert, erhalten die Kinder in der Schule (oft auch Zuhause) ein Hilfsmittel als sog. Rechenhilfe, an der sie dann die Aufgabe auch wieder zählend lösen können (z.B. Rechenkette). Diese Hilfe ist aber nicht wirklich hilfreich, sondern führt immer tiefer in die Sackgasse des Zählens!!!  (siehe Punkt 1 beim Thema Unterschied) Und vor allem: Die Kinder verstehen nicht, was sie tun (siehe Punkt 2 beim Thema Unterschied)!

Wird der Zehnerübergang also gar nicht wirklich gelernt, sondern nur das Weiterzahlen geübt, wird das das Kind nicht verstehend rechnen können. Überhaupt ist es schwierig, den Zehnerübergang zu verstehen, wenn kein Mengenverständnis vorhanden ist.

So fangen Sie an…!

Mit dem strukturierten Material aus dem Würfelhaus-Konzept und der passenden Anleitung am Kind kann jedes Grundschulkind den Zehnerübergang innerhalb von 10 – 15 Minuten sowohl verstehen als auch richtig rechnen lernen!

Einstieg ins Thema

So legen Sie die Aufgabe zu Beginn hin.

Üben Sie mit dem Kind die Würfelbilder bis 10. Das Kind sollte jede Menge schnell erkennen können ohne abzuzählen. Wie? Holen Sie sich hier mein Report: “Rechnen geht auch ohne Finger”!

Legen Sie die zwei Zahlen (z.B.) 7 + 9 z.B. mit Plättchen (einfarbig!) als Würfelbilder auf den Tisch. Achten Sie darauf, dass die zwei Bilder nicht so dicht aneinander liegen.

Stellen Sie die Ausgangsfrage: “Stell dir vor, du hast 7 Bonbons und ich hab 9. Wie kannst du herausfinden, wie viele wir zusammen haben?”

Das Kind wird jetzt eine Lösung präsentieren, diese kann ganz unterschiedlich aussehen. Wahrscheinlich ist das Ergebnis aber nicht richtig oder eben einfach ausgezählt.

Jetzt klären Sie mit dem Kind, dass es wichtig ist – wenn es so viele einzelne Bonbons sind, nämlich mehr als 10 – 10er zu bilden. Zeigen Sie ihm dazu einen fertigen Zehner als Würfelbild.

Fragen Sie das Kind: “Was meinst du, bei welche Zahl ist es für dich einfacher eine 10 zu machen? Bei der 7 oder bei der 9?” Wenn es nicht spontan antwortet, geben Sie noch eine Hilfe: “Wie viele fehlen bei der 7 noch, bis es 10 sind?” Danach: “”Wie viele fehlen noch bei der 9, bis es 10 sind?” Dann wiederholen Sie die erste Frage noch einmal.

Zusammen sind es…?

Lösungsfindung

Wenn das Kind gemerkt hat, dass es bei der 9 einfacher ist (weil ja nur noch Eins fehlt), fordern Sie es dazu auf, einen Zehner zu “machen”. Das Kind wird dies tun, indem es ein Plättchen von der 7 zu der 9 schiebt. Sie fragen nun: “Wie viele sind es jetzt bei dir? Wie viele sind es jetzt bei mir?”

Danach: “Und zusammen sind das 16:  6 Einzelne (oder Übrige) und 1 Zehner.” Helfen Sie dem Kind, indem Sie zuerst auf die 6 Übrigen und dann auf die Zehn zeigen, während Sie die Zahl sagen. Sie können das Kind auch direkt darauf aufmerksam machen: “Fange immer bei den Einern (Einzelne, Übrige) an zu reden”.

Viele Wege führen nach Rom…

Es gibt auch noch andere Wege zur Lösung zu kommen, z.B. kann das Kind die zwei unteren Fünfer zu einer Zehn zusammenfügen. Bleiben Sie flexibel und achten Sie darauf, dass das Kind logisch und strukturiert handelt.

Wenn Sie so mit dem Kind verschiedene Aufgaben handeln geübt (geschoben) haben, dann lassen Sie das Kind nicht mehr schieben.

Sie gehen den Prozess von der Aufgabenstellung bis zur Lösung genauso durch, nur dass Sie dieses Mal die Plättchen nicht bewegen lassen, sondern mit der inneren Vorstellung arbeiten: “Stell dir vor…” “Was würdest du tun?”

Wenn das Kind dies auch gut kann, decken Sie die zweite Zahl (Menge) ab. Lassen Sie das Kind nur schauen, wenn es die Lösung nicht herstellen kann.

Wenn das Kind in der Lage ist, sich die zuvor geübte Handlung im Kopf vorzustellen, können Sie nur noch mit Zahlen arbeiten. Bei Problemen immer mit dem Bild (oder sogar der Handlung) weiterhelfen.

Das können Sie sich nicht alles merken? Verstehe ich sehr gut! Laden Sie sich hier meine bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung herunter, damit Sie während Sie mit dem Kind arbeiten, immer wissen, was Sie fragen und tun müssen.

Haben Sie die Übung einmal durchgeführt, werden Sie sehen, dass der Zehnerübergang eigentlich ganz einfach ist! Und dass das Kind alles schnell versteht!  

Ich kann Ihnen versichern: So geübt, funktioniert der Zehnerübergang Plus in kürzester Zeit. Probieren Sie es aus…!

Bei Fragen bin ich für Sie da.

Ihre Christine Strauß-Ehret​

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  • Avatar Ina sagt:

    Guten Tag!
    Als Grundschullehrerin finde ich das Vorgehen natürlich gut. Auch die Einführung für Eltern, die kein Wissen über mathematisches Lernen haben finde ich sinnvoll. Die Arbeit mit dem Kind auf diese Weise ist aber aus meiner Sicht klar die Aufgabe der Schule. Ich finde die Vorstellung höchst irritierend, dass Eltern auf diese Art zuhause mit dem Kind lernen. Im Alltag gibt es genug Gelegenheit, eingebettet in ein Spiel oder gemeinsame Hausarbeit, usw. mathematisches Lernen zu unterstützen. Die Kinder sitzen schon genug in der Schule. Mir wäre die Zeit mit meinem Kind zu wertvoll, als dass ich sie so verbringen möchte. Ausser das Kind bittet mich explizit darum. Auch unterstützen solche Tipps die Haltung gewisser Eltern, in der Schule werde nicht genug gelernt und sie könnten den Job genausogut selber machen. Dann lieber gleich Homeschooling, dann haben die Kinder nicht doppelt Schule.

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