Konzentrationsschwäche beim Rechnen üben muss nicht sein!

Konzentration wie Meister Yoda!

25 Tipps für eine laserscharfe Konzentration beim Rechnen üben!

Jeder Mensch hat es.
Du und dein Kind auch:
Die Fähigkeit sich auf ein Thema zu konzentrieren.
Bezogen auf den schulischen Kontext, heißt Konzentration verkürzt: Inhalte bewusst aufnehmen, verarbeiten und wieder abrufen.

Doch genau daran scheint es bei vielen Kindern zu hapern.
Denn: Mindestens ein Drittel aller Eltern von Grundschulkindern klagen über eine mangelnde Konzentration ihres Kindes.
Und die muss für alles Mögliche herhalten.
Für Probleme in Deutsch.
Für Probleme in Mathe.
Evt. auch für Probleme im Sachunterricht.
Und für Probleme in… ja, wo noch?
Hmmm.

Gehört dein Kind auch dazu?
Hat es Mathe-UND Konzentrationsprobleme?
Dann stellst du dir vermutlich die Frage, was wohl im Vordergrund steht:
Bedingt das Matheproblem die schlechte Konzentration oder verursacht die Konzentrationsschwäche das Matheproblem?

Dein Kind nicht rechnen will-sicher ist

Es ist müßig der Huhn-oder-Ei-Frage nachzugehen.
Es bringt dich nicht weiter.
Doch eines ist klar:
Die Konzentrationsschwäche und das Rechenproblem bedingen sich gegenseitig und beeinflussen die Lernverlaufskurve negativ in Richtung Scheitern!

Um das Rechnen lernen auf Erfolg auszurichten, solltest du es schaffen, dass dein Kind sich auf das jeweilige Thema konzentriert.
Ohne Streit und ohne Stress.

Nicht möglich?

Ich denke doch!

Hier sind meine 25 Tipps für eine Meister-Yoda- Konzentration deines Kindes beim Rechnen üben:

Grundsätzliches zur Konzentration

Beherzigst du die ersten drei der 25 Tipps, kann du allein damit schon riesige Erfolge erzielen.

Konzentrations-Tipp 1: Falsche Lernstrategien eliminieren!

Zählt dein Kind noch beim Rechnen? Wenn ja, dann kann allein schon diese Tatsache für Konzentrationsprobleme sorgen.
Das Auszählen von Aufgaben ist sehr anstrengend, dein Kind braucht dafür viel zu viel Energie.
Genauso ist es, wenn dein Kind sich beim Lesen die einzelnen Wörter mühsam erliest.

Beide Strategien sind sehr ineffektiv; der jeweilige Konzentrationsaufwand steht nicht im Verhältnis zum Ergebnis.
Achte also darauf, dass dein Kind effektive, hirngerechte Strategien zum Lernen verwendet.
Beim Rechnen wären das nicht-zählende Strategien, beim Lesen und Schreiben gezielte Wortspeicherstrategien.
Damit fällt deinem Kind das Lernen auf jeden Fall leichter und die Konzentrationsdauer erhöht sich wesentlich.

Konzentrations-Tipp 2: Rechnen im Akkord ist kontraproduktiv!

Über den Übungserfolg deines Kindes bestimmt nicht die Dauer (Quantität) der Übung, sondern die Qualität! Es nützt also nicht viel bis gar nichts, wenn du dein Kind eine Aufgabe nach der anderen Rechnen lässt.

Wenn es die Aufgaben noch nicht gut kann, verbraucht es dabei unheimlich viel Energie. Anstrengung macht müde… . Wundere dich also nicht, wenn deinem Kind dabei die Konzentration flöten geht!

Kann es die Aufgaben jedoch schon, dann ist das permanente Wiederholen langweilig für das Kind und seine Gedanken schweifen zu motivierenderen Tätigkeiten ab.
Willst du das vermeiden, dann achte mehr auf die Qualität der Übung und vermeide Über-oder Unterforderung.

Konzentrations-Tipp 3: 45 Minuten am Stück? Geht gar nicht!

Wissenschaftler sind sich einig, volle Konzentration auf eine Sache ist nur etwa 20 Minuten am Stück möglich.
Quäle dein Kind also nicht mit langen Übungseinheiten, bei denen du ständig seine Konzentration einfordern musst.
Das ist nervig.
Für euch Beide.

Fallen deinem Kind schon 20 Minuten schwer, dann teile die Übungsphasen und übe besser zweimal 10-15 Minuten. Zum Beispiel nachmittags um 15.00 Uhr und abends um 19.00 Uhr. Die abendliche Übung ist sehr effektiv, denn das Gehirn verarbeitet das Gelernte im Schlaf.
Nach und nach kannst du dann die einzelnen Übungsphasen um jeweils 1-2 Minuten verlängern.

Konzentration und die “Vorbereitungsphase”

Bevor du mit deinem Kind eine Übungseinheit durchführst, solltest du dich darauf gut vorbereiten. Das muss nicht lange dauern; hier ist deine Checkliste:

Konzentrations-Tipp 4: Schaffe Transparenz!

Warst du schon einmal auf einem Vortrag in welchem der Redner keinen Ablauf vorangestellt hat? Hast du zwischendrin mehrmals gedacht: “Wann macht er endlich Pause?”
Genauso geht es deinem Kind. Wenn du dem Herumrutschen auf dem Stuhl und den abschweifenden Gedanken deines Kindes während der Übungsphase vorbeugen willst, dann sei Eines: Vollkommen klar und transparent.

Sage ihm, wie lange die Übung dauert, wann es eine Pause gibt, was genau du mit ihm üben willst, was du von ihm erwartest und was dein heutiges Ziel ist. Und zwar VORHER!

Konkret: “Also Jan, jetzt üben wir wieder 20 Minuten Rechnen. Mein Ziel ist es, dass du die Aufgaben zur Zehnerüberschreitung besser verstehst und schneller rechnen kannst. Ich erwarte volle Konzentration von dir. Etwa bei 10 Minuten kannst du eine kurze Trink- und Bewegungspause machen. Bist du bereit?
Dann schließe die Augen und atme mit mir dreimal tief ein und aus…”

Konzentrations-Tipp 5: Essen macht müde…

Lernen und denken benötigt Energie. Und zwar eine Menge.
Muss der Körper deines Kindes gleichzeitig Essen verdauen, wird Rechnen üben zur Schwerstarbeit.
Üblicherweise erledigen die meisten Kinder ihre Hausaufgaben direkt nach dem Mittagessen.
Das Argument der Eltern: Damit alles fertig ist und das Kind danach spielen kann.
Ist das bei euch auch so?

Bedenke:
Das Gehirn funktioniert am besten, wenn es mit ausreichender Energie versorgt ist. Und die bekommst es u.a. durch lebendige, energiereiche Nahrung, nicht durch ein schwer verdaubares Mittagessen.
Solltest du also deinem Kind keinen Salat oder leicht gedünstetes Gemüse ohne Kohlenhydrate als Mittagsmahlzeit zubereitet haben, wähle zum Üben einen späteren Zeitpunkt.

Konzentrations-Tipp 6: Geräusche-Chaos ade!

Das Handy klingelt, WhatsApp-Nachrichten bloppen auf, der Bruder stürmt herein, das Fenster ist gekippt und der Straßenlärm ist zu hören…
Jan soll sich hier konzentrieren? Echt jetzt?
Vielleicht gelingt das dir. Du bist ja auch erwachsen und kannst mit Ablenkungen besser umgehen.
Jan nicht.

Jeder Handyton, jedes Geräusch, jede Bewegung im Außen lenkt ihn ab.
Da gehört schon eine Menge Disziplin dazu, bei der Sache zu bleiben.!

Wenn du es deinem Kind leichter machen willst, sich auf das Üben zu konzentrieren, schalte die Umgebungsreize (ja, auch dein Handy!) aus. Reduziere die Ablenkungschancen auf ein Minimum. Wähle zudem einen neutralen, störungsfreien Raum. Bestenfalls nicht das Kinderzimmer, denn dein Kind verbindet hier zu stark andere Aktivitäten (vor allem Spielen) damit.

Du übst gerne in der Küche, weil du dann so nebenbei aufräumen kannst? Beklage dich dann nicht, wenn dein Kind nicht konzentriert ist!
Bereite deinem Kind den Übungsplatz vor. Lege nur die benötigten Übungsmaterialien auf den Tisch. Dinge, die das Kind bewegen kann (z.B. Plättchen), am besten aus der Reichweite des Kindes legen. Sie fordern zu stark zum Handeln auf.

Konzentrations-Tipp 7: Achte auf deine Gefühle…

Du bist schlecht gelaunt?
Gestresst?
Hast keine Lust?
Übe so auf keinem Fall mit deinem Kind.
Übe auch nicht, wenn es deinem Kind nicht gut geht.

Zum Lernen von abstrakten Inhalten braucht das Gehirn eine “Wohlfühlatmosphäre”, es ist ansonsten nicht aufnahmebereit.
Gibt es unangenehme Gefühle schon zu Beginn, ist ein echter Lernerfolg ausgeschlossen. Mit großer Wahrscheinlichkeit übernimmt dein Kind die schlechte Laune und schon ist es aus mit der Konzentration… !

Konzentrations-Tipp 8: Bleib sitzen!

Ich weiß: Beim Üben ist Geduld angesagt. Und vielleicht würdest du manchmal einfach gerne aufstehen und zwischendurch andere Sachen erledigen. Dein Kind kann ja auch mal etwas alleine üben. Oder nicht?

Wichtig: Entscheide dich schon vorher. Wie soll die Übung ablaufen? Bleibst du die ganze Zeit dabei, oder gibt es am Ende eine Phase, wo das Kind ein paar Aufgaben ganz alleine rechnet?

Kläre auch das mit deinem Kind (siehe Punkt Transparenz) und ändere diese Vereinbarung nicht einfach nach Gutdünken.
Das Kind stellt sich darauf ein und es lernt dabei: Abmachungen werden eingehalten.

Und: Es kann die Konzentration besser halten, wenn die Situation von Vornherein klar ist.
Willst du den Ablauf dennoch verändern, ist das nur sinnvoll, wenn du das mit deinem Kind besprichst und dir seine Zustimmung dazu abholst.

Konzentration für die “Startphase”

Du beginnst zu üben.
Und bereits nach ein paar Minuten könntest du schon wieder aufhören. Dein Kind ist genervt und du bist es auch.
Die folgenden Tipps sollen dir den Einstieg in die Übungsphase erleichtern und helfen, die anfänglich positive Energie zu halten.

Konzentrations-Tipp 9: Stoppe die Zeit!

Zur Transparenz gehört auch ein stimmiger Umgang mit der Übungsdauer.
Damit die abgesprochene Uhrzeit genau eingehalten wird, lasse am besten auf dem Handy die Stoppuhr mitlaufen.
Die soll während der Übung nur für dich sichtbar sein (Hallo Ablenkung!)

Definitiv macht es einen Unterschied, ob DU das Ende/die Pause bestimmst, oder die Stoppuhr.
Sie ist genau, gerecht und nicht beeinflussbar.
Dein Kind wird sich mit der Uhr eher arrangieren wie mit diffusen “wir üben jetzt 10 Minuten”-Angaben.
Zusätzlich dazu trainiert dein Kind sein Zeitgefühl und kann seine Konzentrationsfähigkeit auch dadurch selbst positiv steuern lernen.

Konzentrations-Tipp 10: Gestalte den Einstieg sanft…

Was tust du, um dein Kind auf die Übungszeit einzustimmen? Wahrscheinlich unterschätzt du den Einstig in die Übungsphase. Dennoch bestimmst du schon hier, ob die Einheit gut gelingt. Begehst du den Fehler, dein Kind gleich mit Matheaufgaben zu “überfallen”, löst du damit schnell Stress aus.

Stress blockiert-und schon kann das Kind sich nicht mehr auf die Aufgabe konzentrieren, geschweige denn richtig lösen.
Beginne deshalb besser mit einer kleinen Atem-oder Visualisierungsübung oder einem kurzen Gespräch über die Inhalte der letzten Übungseinheit.

Konzentrations-Tipp 11: Drei Fliegen mit einer Klappe!

Mathe ist bei deinem Kind sehr wahrscheinlich negativ belegt. Weshalb also gleich mit problematischen Aufgaben anfangen und das Kind frustrieren?
Frustration und das Gefühl “das kann ich nicht” hängen direkt auch mit “da lohnt es sich nicht für mich, mich voll und ganz zu konzentrieren” zusammen. Sieht dein Kind keine Aussicht auf Erfolg, wird es sich nur ungern auf die Aufgaben einlassen.

Beginne deshalb nach der Einstimmung mit Aufgaben, die dein Kind gut kann. Du schlägst damit drei Fliegen mit einer Klappe: Du verlängerst den sanften Einstieg (dein Kind fühlt sich wohl und sicher), du verschaffst ihm damit Erfolgserlebnisse die es positiv stimmen und du gibst ihm genügend Zeit, sich auf das Rechnen einzulassen.

Konzentration in der “Übungsphase”

Jetzt seid ihr in Fahrt.
Nun lernt dein Kind endlich Neues.
Es baut seine Rechenfähigkeiten gezielt weiter aus-vorausgesetzt, ihr bleibt in dieser Phase BEIDE konzentriert!

Konzentrations-Tipp 12: Denkst du an den Abwasch?

Wenn du mit deinem Kind übst und hohe Konzentration von ihm forderst, dann solltest du damit bei dir selbst anfangen.
Das bedeutet für die Übungszeit: Keine Gedanken an die Einkaufsliste, den Abwasch, die nächsten Termine etc. Dein Kind merkt sofort, ob du mit den Gedanken abschweifst, oder 100% bei der Sache bist!

Bist DU abgelenkt, wird sich dies auf dein Kind übertragen und es wird ihm schwerer fallen, sich zu konzentrieren. Die Übungszeit wird stressig und ineffektiv.
Sei deshalb immer hochkonzentriert und stelle dich vorher innerlich auf die Übungszeit ein. So profitiert dein Kind, denn es spürt deine Absicht und lässt sich von deiner Energie mittragen.

Konzentrations-Tipp 13: Achte auf die Löcher!

Als Kleinkind haben sich bei deinem Kind über Lernerfahrungen die entsprechenden Synapsen im Gehirn miteinander verknüpft.
So entstanden Fähigkeiten und Fertigkeiten, auf die das Kind immer weiter aufbaut.
Stell dir diese Verbindungen wie ein löchriges Maschennetz vor. Forderst du eine Aufgabe, zu welcher dein Kind noch keine Voraussetzungen erarbeitet hat, wird es diese nicht verstehen und auch in Zukunft nicht sicher lösen können. Das Gelernte knüpft nicht an die bereits gebildeten Synapsen an, sondern fällt durch die “Maschen-Löcher”.

Um z.B. den Zehnerübergang rechnen zu können, braucht dein Kind ein sicheres Mengenverständnis. Ist dies nicht vorhanden, wird es den Zehnerübergang weder verstehen noch wirklich rechnen können.
Achte deshalb während der Übungseinheit immer darauf, die Lernschritte logisch aufeinander aufzubauen. Ist ein Lernschritt zu groß-kann dein Kind die Verknüpfungen nicht herstellen und somit keine positiven Lernerfahrungen sammeln.

Konzentrations-Tipp 14: Traust du es deinem Kind zu?

Selbstvertrauen ist die Fähigkeit, sich selbst zu vertrauen. Sich etwas zuzutrauen. Die Gewissheit zu haben: “Das kann ich schaffen!”
Wenn du willst, dass dein Kind die Einstellung verinnerlicht “Ich kann mich konzentrieren”, dann solltest du ihm das auch zutrauen.

Bleibe deshalb während der ganzen Übung positiv eingestellt.
Behalte deine Gefühle im Griff.
Schiebe keine Schuld auf das Kind.
Erwarte keinen schnellen Durchbruch, sondern wisse, dass es die täglichen kleinen Schritte sind, die zum Ziel führen.
Bemerke jeden noch so kleinen Erfolg deines Kindes und mache es darauf aufmerksam: “Das konntest du gestern noch nicht. Ist dir das auch aufgefallen?”
Oder: “Ich merke, dass dir diese Aufgaben heute leichter fallen. Was meinst du?”
Diese Vorgehensweise wird sicher auch die Konzentration deines Kindes stärken, denn diese hängt direkt mit dem Rechenvermögen zusammen.

Konzentrations-Tipp 15: Wie du in den Wald hineinrufst…

Wenn du ständig dir und anderen Menschen erzählst, dass dein Kind Schwierigkeiten hat, sich zu konzentrieren, dann passiert folgendes:

  • Du glaubst, dass es so ist
  • Dein Kind glaubt, dass es so ist.

Durch ständige Wiederholung von Sätzen und Gedanken bilden sich sogenannte “Glaubenssätze”. Dein Kind verinnerlicht, dass es sich nur schwer konzentrieren kann und hält dies für die Wahrheit.
Doch stimmt das wirklich?
Schau deinem Kind beim Spielen zu.
Hat es Probleme sich zu konzentrieren? Ich glaube nicht…
Schau, wenn es etwas tut, was es liebt. Hat es Konzentrationsprobleme? Sicher nicht.

Dein Job: Finde heraus, WANN dein Kind sich nicht konzentrieren kann und BEI WAS. Du wirst erstaunt sein…
Probiere diese Sätze aus:
“Ich weiß genau, du schaffst es, dich mindestens 5 Minuten auf Mathe zu konzentrieren…”
Oder: “Ich helfe dir dabei, dass du dich auf die Aufgaben konzentrieren kannst. Zuerst mache ich mein Handy aus, dann stelle ich mich gedanklich auf das Üben mit dir ein, dann…”.

Konzentrations-Tipp 16: Üben soll Spaß machen?

Falsch.
Es KANN.
Das ist ein großer Unterschied.
Viele Dinge im Leben sind wichtig, machen aber nicht wirklich Spaß.
Wie zum Beispiel Zähne putzen, oder Rechnen üben.
Vielleicht denkst du, dass dein Kind über Spiele besser lernt?
Möglich.
Aber auch nicht sicher.
Denn es kommt auf das Spiel und den Lernstand deines Kindes an.
Spielerische Elemente beim Üben können motivieren.

Aber: Verwende keine Spiele in denen dein Kind Aufgaben rechnen muss, die es noch nicht wirklich versteht.
Oder die es gar nicht rechnet, sondern auszählt!
Stattdessen: “Spiele” mit dem jeweiligen Übungsinhalt.
Du übst gerade den Zehnerübergang mit Bildunterstützung?
Dann lass-anstatt eine Aufgabe nach der anderen zu stellen-dein Kind eine Bildkarte und eine entsprechende Aufgabenkarte aus einem Kartenstapel ziehen. Voila: Schon spielt es!

Oder: Schreibe auf die Rückseite der Aufgabenkarten Würfelaugen und lass es würfeln. Welche Aufgabe wird wohl dran sein?
Dem Inhalt spielerische Elemente hinzuzufügen hält dein Kind motiviert, bringt positive Energie ins Üben UND es lernt auch noch dabei!

Konzentrations-Tipp 17: Spare an Lob…

Lob ist definitiv ein Urteil. Lobst du dein Kind, dann beurteilst du seine Leistungen.
“Das hast du gut gemacht!” Wird beim Kind allerdings schnell zu: “Ich bin ein gutes Kind”.
Genauso: “Das kannst du nicht nicht gut”, kann zu der Annahme “Ich bin nicht gut genug” führen.

Wenn du loben möchtest, lobe konkret.
Z.B. “Ich freu mich so, dass du die Aufgaben über den Zehner jetzt immer schneller rechnen kannst!”
Oder: “Ich bin erstaunt, wie gut du die Malaufgaben verstanden hast!”
Und: “Ich merke, dass du dich sehr konzentrierst. Deine Lösungen sind richtig. Freut dich das auch?”
Fühlt sich dein Kind bestätigt, steigt seine Bereitschaft mehr Energie (also Konzentration) fürs Rechnen bereitzustellen.

Konzentrations-Tipp 18: Wasser, Wasser und nochmal Wasser …

Flüssigkeitsmangel führt zu Müdigkeit und zu Konzentrationsproblemen.
Frage dich: Trinkt dein Kind genug? Wie hoch ist der Anteil von reinem Wasser gemessen an seiner täglichen Flüssigkeitszufuhr?
Ernährungswissenschaftler sind sich einig: Dein Kind sollte ungefähr einen Liter Wasser täglich trinken.

Sorge deshalb dafür, dass dein Kind vor der Übung, in der Pause und nach der Übung ein wenig Wasser trinkt.
Keinen Fruchtsaft oder ähnliches.
Ist dein Kind unkonzentriert, kann dies tatsächlich an der fehlenden Wasserzufuhr liegen.

Konzentrations-Tipp 19: Schnipse!

Wo bist DU gerade mit deinen Gedanken? Du liest diesen Artikel und denkst trotzdem an etwas anders?
Völlig normal!
Es ist bewiesen, dass der Fokus eines Menschen zwischen 6 und 10 mal pro Minute wechselt. Die Gedanken deines Kindes wandern demnach etwa alle 8 Sekunden weiter… wenn du sie nicht auf der Stelle immer wieder zu dir zurückholst!
Wie?
Durch “bemerkbar machen”.

Z.B. wenn das Kind während dem Ausrechnen sichtbar aussteigt. Es tut so, als würde es rechnen, aber du merkst, dass der Prozess unterbrochen wurde. Denn die Augen des Kindes sind “nach innen gerichtet” oder wandern im Raum herum.
Schnipse einmal.
Direkt vor seinen Augen.
Oder berühre es sanft.
Das bringt seine Gedanken zurück zum Thema.

Wichtig: Mache ohne Vorwurf weiter.
Unterbreche den positiven Flow nicht durch: “Konzentriere dich mal bitte!” Oder sonst eine negative Bemerkung.
Wiederhole die Aufgabe oder geh nochmal einen Schritt zurück.
“Ich sage dir die Aufgabe noch einmal: …”

Konzentrations-Tipp 20: Denker oder Zappelphilipp

Hat dein Kind einen starken Bewegungsdrang? Fällt es ihm schwer, still zu sitzen, während du mit ihm übst?
Das stellt deine Geduld sicher auf eine harte Probe!
Wenn du dein Kind ständig ermahnst still sitzen zu bleiben, nicht zu zappen, einfach “damit” aufzuhören etc., stört das die Zusammenarbeit und auch die Konzentration von euch beiden.

Auch wenn es schwer fällt: Lass dich durch die Bewegung deines Kindes nicht aus der Ruhe bringen, oder ablenken.
Unterdrücke deine Ermahnungen.

Unterscheide: Ist dein Kind trotz Bewegung weiterhin bei der Sache?
Ist es immer noch konzentriert, hilft ihm die Bewegung beim Denken.
Dann störe es auf keinen Fall!
Ist es jedoch nicht mehr konzentriert, versuche dein Kind sanft zur Ruhe zu bringen.
Vielleicht reicht ein kurzes über den Rücken streichen, oder sonst eine beruhigende Geste von dir.

Versuch es erstmal ohne Worte.
Oder stelle einfach nur fest: “Ich merke, dass du dich gerade lieber bewegen willst. In… min. machen wir eine kleine Pause. So wie ich dich kenne, schaffst du das noch bis dahin. (Richtig?). Dein Kind wird sich ganz sicher jetzt wieder ruhig hinsetzen und den Fokus auf die Übung richten.

Konzentrations-Tipp 21: Pausen wirken Wunder…

Beuge dem Konzentrationsabfall deines Kindes vor und baue rechtzeitig eine Pause ein. Halte sie kurz und lasse dein Kind sich in dieser Zeit nicht mit anderen Dingen beschäftigen (z.B. spielen). Es dauert sonst zu lange, bis dein Kind wieder bei der Sache ist.
Mögliche Pausen-Aktionen: Etwas trinken, einmal die Treppe hoch und runter sausen, Kopf auf den Tisch legen, sich etwas Schönes erzählen, kuscheln, kleine Körpermassage … .

Konzentrations-Tipp 22: Dich selbst im Griff haben…!

Die Bereitschaft deines Kindes sich zu konzentrieren, ist an verschiedene Bedingungen geknüpft. Oft lernen Kinder nur für die Erwachsenen und finden es toll, wenn diese zufrieden mit ihnen sind. Das ist hauptsächlich in den ersten Grundschuljahren der Fall. War die Beziehung zwischen euch beim Üben in der Vergangenheit jedoch regelmäßig angespannt, kann es sein, dass dein Kind sich nicht konzentriert, weil es keinen Sinn darin sieht. Es wird dir und deinen Ansprüchen ja doch nicht gerecht…

Mache dir klar und beherzige:
Du bist der/die Lernbegleiter(in) deines Kindes.
Du hilfst ihm zu verstehen.
Du glaubst an dein Kind.
Du urteilst nicht.
Du bestrafst nicht.
Du hast deine Erwartungen, deine Enttäuschung, deine Ungeduld und deine Ängste im Griff und machst nicht dein Kind dafür verantwortlich.
Spürt das Kind, dass es so sein darf, wie es ist, fühlt es sich also sicher bei dir, wird es sich bestimmt auch besser konzentrieren.

Konzentrations-Tipp 23: “Überlege nochmal!

Dein Kind hört mit Sicherheit jeden Tag deutlich öfter “Nein's” als “Ja's”!
Was macht das mit ihm?
Es engt ein.
Es blockiert.
“Nein” nach dem Ausrechnen einer Aufgabe bedeutet: “Falsch!”
“So nicht!”, “Das war nicht gut!” “Du kannst es nicht!”.
Ein einfaches “Nein”, kann der Auslöser einer inneren Blockade sein.
Blockade=Konzentrationsproblem!

Auch: “Probiere es noch einmal”, oder: “Überlege noch einmal”, helfen nicht wirklich. Dein Kind hat überlegt! Und nochmal probieren bringt es möglicherweise zum gleichen Ergebnis!
Wie wäre es mit einem völlig emotionsfreien und eher interessiertem: “Okay. 67 also. Wie bist du darauf gekommen? Wie hast du das ausgerechnet?”
Dein Kind bleibt dadurch offen und du lernst, wie der Fehler entstanden ist.
Jetzt kannst du zielgerichtet weiter üben.

Konzentration und die “Abschlussphase”

Der Abschluss einer Übungsphase ist genauso wichtig wie der Beginn. Er bestimmt, mit welcher Stimmung dein Kind aus dieser Übung herausgeht und dementsprechend am nächsten Tag wieder zum Üben bereit ist.

Konzentrations-Tipp 24: Punktlandung?

Du hast doch die Uhr gestellt, oder? Dann fällt es dir ja leicht zu sehen, wann die Übungseinheit vorbei ist.
Wichtig: Mache definitiv Schluss, egal wo du dich gerade befindest. Wenn es mitten in einer Aufgabe ist, frage dein Kind, ob es diese noch lösen will.
Bestenfalls hast du die Uhrzeit gut im Blick und zum Ende eine einfache Aufgabe gestellt.

Du könntest auch eine Minute früher aufhören und dein Kind bestärken: “Die letzten Aufgaben hast du so schnell gelöst, das reicht für heute”.
Es ist immer gut, die Einheit zu beenden, wenn dein Kind noch leistungsbereit ist. Dann verbindet es automatisch das Üben mit positiven Gefühlen und ist beim nächsten Mal eher dazu bereit sich darauf einzulassen.
Was das mit der Konzentration deines Kindes macht?
Es lernt seine Konzentrationsspanne einzuschätzen und kann sich sich selbst darin steigern.

Konzentrations-Tipp 25: Beim nächsten Mal…

Egal wie die Übungseinheit gelaufen ist, am Ende sollte es ein Feedback geben.
Von euch beiden.
Was ist gut gelaufen? Was hat gestört? Was sollte verbessert oder geändert werden?
Das Feedback ist nur dann wertvoll, wenn es auf Augenhöhe geführt wird und keine offenen oder verstecken Vorwürfe enthält.

Schließe die Übungseinheit so angenehm wie möglich ab, und gib einen Ausblick auf die Nächste.
Dein Kind lernt dadurch, seine Leistungen besser einzuordnen und es besteht Klarheit dahingehend, was weiterhin geübt werden muss.

Rechen- oder Konzentrationsproblem?

Diese Frage hat sich für dich inzwischen hoffentlich erledigt.
Und vielleicht ist dir nach dem Lesen der 25 Tipps auch bewusst, dass deine Erwartungen an die Konzentration deines Kindes mit großer Wahrscheinlichkeit meist unrealistisch sind.

Entscheide dich für eine Veränderung.
Gestalte ab jetzt deine Übungseinheiten anders.
Schaff dir und deinem Kind die Möglichkeit stressfreier Übungseinheiten und anhaltender Lernerfolge.

Beginne heute mit dem ersten Schritt.
Du wirst sehen: Dein Kind wird immer mehr bereit sein und auch lernen, seine Konzentration auf das Thema zu halten.

Mit Worten von Meister Yoda: “Dein Kind immer besser wird!”

Ich wünsche dir und deinem Kind viel Erfolg beim Üben.
Lass mich wissen, welchen Tipp du als Erstes umgesetzt hast.

Christine

Ps: Um dich beim Umsetzen zu unterstützen, gibt es eine Zusammenstellung der 25 Tipps in Form eine Checkliste.
Du findest sie in meinem Downloadbereich.

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