Weihnachten, Plätzchen, Tannenbaum, Freude und Geselligkeit. Und endlich Weihnachtsferien! Wer will da schon an Schule denken?

Doch verdrängen nützt nichts: Ende Januar gibt es schon die Halbjahreszeignisse, zum Teil werden im Dezember schon die dazugehörigen Elterngespräche geführt.

In diesem Blogbeitrag gehe ich folgenden Fragen von Eltern nach:

Was sollten Kinder zum Halbjahr in Mathe in den ersten zwei Klassen können? Was genau sind die schulischen Anforderungen und was passiert, wenn diese nicht ausreichend erfüllt werden? Wie sieht es mit einer Rücknahme von der 2. Klasse in die 1. Klasse aus? Macht das allein wegen Mathe überhaupt Sinn für das Kind?

Was Ihr Kind jetzt können sollte …

Mitte der 1. Klasse:

  • Ein sicheres Mengenverständnis bis 10; Ihr Kind sollte also wissen, welche Zahl “mehr” und welche “weniger” ist und den Unterschied zweier Zahlen berechnen können.
  • Alle Aufgaben Plus bis 10 sicher und schnell ohne abzuzählen lösen
  • Alle Zerlegungen bis 10 sicher beherrschen; vor allem die Zerlegungen der 10 (häufig auch “verliebte Zahlen” genannt). Bsp.: 7 + 3 = 10, 9 + 1 = 10… .
  • Platzhalteraufgaben sicher lösen können: 5 + ? = 9 und 8 – ? = 2
  • Die Zahlenreihe, bzw. die Zahlwörter bis 20 kennen
  • Verstehen wie sich eine Zahl bis 20 zusammensetzt (z.B. 16 = 1 Zehner und 6 Einer)
  • Erste Rechnungen mit den Zahlen bis 20
  • Muster nachmalen und selbst erfinden können

Mitte der 2. Klasse:

  • Ein sicheres Mengenverständnis bis 10, 20 und 100; Ihr Kind sollte in diesen Zahlenräumen genau wissen, welche Zahl “mehr” und welche “weniger” ist und den Unterschied zweier Zahlen berechnen können.
  • Die Zahlenreihe bis 100 vorwärts und rückwärts kennen
  • Den Stellenwert verstanden haben (nach Zehn wird gewechselt)
  • Alle einfachen Aufgaben Plus bis 100 (z.B.: 40 + 8, 54 + 3 , 36 + 12,75 – 4, 98 – 37 sicher und schnell ohne abzuzählen lösen
  • Einstellige Zehnerübergänge über Rechenstrategien beherrschen (z.B.: 56 + 9, 34 – 8)
  • Einfache Platzhalteraufgaben sicher lösen können (z.B.: 25 + ? = 29 und 68 – ? = 60)
  • Textaufgaben lösen können
  • Geldwert und Uhrzeiten kennen

Diese Aufzählung variiert natürlich je nach Schule und Bundesland. Viele Faktoren beeinflussen, in welcher Geschwindigkeit im Unterricht neue Lernthemen eingeführt werden. So z.B. das Lehrwerk, die Lehrkraft, die Kinder selbst, Proben in der Vorweihnachtszeit etc.

Ihr Kind liegt zurück?

Dann ist es leider kein Einzelfall. Lesen Sie dazu auch: “Maria hatte keine Chance”

Finja zum Beispiel, hatte schon in der 1. Klasse Probleme, aber die Lehrkraft konnte das nicht wirklich erkennen. Und so wurde auch von Seiten der Eltern nichts weiter unternommen. Finjas Mama hatte jedoch die ganze Zeit ein ungutes Gefühl… .

” Tut mir leid, ich weiß nicht, was ich Ihnen raten kann.”

Das kam nun im letzten Elterngespräch vor den Weihnachtsferien heraus. Jetzt, wo Finja sich Mitte der 2. Klasse befindet. Also alles, was oben in der Liste aufgeführt ist, bereits beherrschen sollte.

Im Gespräch mit Finjas Mutter stellte sich heraus, dass das Mädchen noch über kein gesichertes Mengenverständnis bis 10 verfügte! Im Klartext: Finja zählt alle Aufgaben aus, hat nicht verstanden, was die Zahlen bedeuten und versagt natürlich jetzt im Zahlenraum bis 100 komplett.

Wie soll sie das schaffen, alles nachzuholen? Die Rückstände sind mittlerweile gravierend und Eltern und Kind genervt und frustriert.

Kennen Sie das auch? Haben Sie auch, wie Finjas Mutter sich in der Zeit vertan? Zu lange abgewartet? Jetzt bleiben nur noch 6 Monate… .

“Was mache ich denn jetzt mit diesem Kind?”

Jetzt ist guter Rat teuer. In Finjas Fall unterbreitet die Lehrkraft der Mutter den Vorschlag einer freiwilligen Rücknahme in die 1. Klasse.

“Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das ideal, dann kann Finja schon mehr als die Anderen. Und sie kann alles nochmal in Ruhe üben. Ohne Stress.”

Da ich das ganz und gar anders sehe, hier der Versuch, beide Seiten gerecht zu beleuchten:

Die Sicht der Lehrerin

Sie kann dem Kind in Mathe nicht mehr helfen. Damit Finja im Rechenunterricht etwas “arbeitet”, muss sie das Mädchen täglich mit passenden Übungen versorgen. Da Finja die momentanen Rechenaufgaben überhaupt nicht versteht, bekommt sie leichtere Aufgaben und davon vom Umfang her weniger als andere Kinder.

Finjas Lehrerin sieht keine Chance, dass die Rückstände in der noch zu Verfügung stehenden Zeit (6 Monate) aufzuholen sind. Eine Klassenwiederholung wäre aus ihrer Sicht so oder so unumgänglich. Also, warum nicht zum Halbjahr?

Die Sicht der Eltern

Die Eltern glauben fest daran, dass Ihr Kind die Rückstände noch aufholen kann. Auf meinem Blog und meiner Webseite haben sie sich über die Probleme ihrer Tochter informiert. Nun sind sie bereit alles zu tun, was nötig ist um ihr zu helfen.

Seit etwa einer Woche nehmen sie nun mit ihrer Tochter an meinem Würfelhaus-Rechenerfolgskurs teil. Sollte das Mädchen den Rückstand nicht aufholen, wäre ein Rückgang am Ende der 2. Klasse immer noch möglich. Mutter und Vater sind sich einig: Zum jetzigen Zeitpunkt würde die Klassenwiederholung dem Mädchen eher schaden.

Ich unterstütze die Eltern darin, das Kind nicht zurückzunehmen, weil ich weiß, dass ihre Tochter die in der Schule nun massiv aufgefallen Rückstände noch aufholen kann. Was das Mädchen dazu braucht, sind wirksame Übungen.

Nach nur einer Woche bekam ich von der Mutter folgende Rückmeldung über Whats-App:

Meine Sichtweise

Ein Rückgang in die 1. Klasse würde dem Mädchen wenig nützen, sondern eher massiv schaden. Und zwar aus folgenden Gründen:

  • Sie würde ihre Freundschaften aus der jetzigen Klasse verlieren
  • Sie würde sich als Versagerin empfinden und einen enormen Selbstwertverlust erleiden
  • Sie würde in Mathe wieder leichtere Aufgaben üben, aber es wäre nur eine Frage der Zeit, bis sie da auch wieder an ihre Grenzen käme
  • Die mathematischen Problemstellen beseitigen sich nicht von alleine, das Kind würde nur wieder das üben, was es bereits schon kann

Meine Überzeugung: Das Mädchen muss nicht MEHR oder LEICHTERE Übungen bekommen, sondern mit einer ANDEREN Lernmethode üben.

Das erst macht Sinn.

Das Würfelhaus-Konzept: Was ist anders?

Eigentlich ist mein Konzept simpel. Denn auch Rechnen ist eigentlich einfach. Und alles ist aufeinander aufgebaut.

Wenn Ihr Kind Zahlen versteht, kann es auch mit ihnen rechnen. That's it.

Damit es jedoch versteht was Zahlen bedeutet, braucht es eine “Übersetzung”.

Sie wollen sich einen Eindruck über das Würfelhaus-Konzept verschaffen? In meinem Download-Bereich der von mir ständig erweitert wird, finden Sie Videos und PDFs die Ihnen bei verschiedenen Problemstellen weiterhelfen.

Ihr Kinderlein übet…??

Ja. Wenn Rückstände da sind auf jeden Fall. Aber nicht das LÖSEN der Aufgaben üben, sondern das VERSTEHEN der Aufgaben. Das Lösen über Rechenstrategien ist dann kein Problem mehr, wenn das Kind verstanden hat, was Mengen bedeuten, wie Zahlen geschrieben werden, wie das Stellenwertsystem funktioniert.

Wenn Sie mit Ihrem Kind jeden Tag “Rechnen üben”, kann es sein, dass trotz vermehrter Übung das Klassenziel nicht erreicht wird.

Geben Sie aber Ihrem Kind die Möglichkeit Rechnen zu VERSTEHEN, hat es eine reelle Chance jetzt noch alles aufzuarbeiten was es für die nächste Klasse braucht.

Wo steht Ihr Kind gerade? Steht eine Rücknahme in die erste Klasse an? Hinterlassen Sie dazu gerne einen Kommentar.

Ihre

Christine Strauss-Ehret

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  • Avatar Hermann Löns sagt:

    Absolut tolle Ideen.
    Werde das bei uns im Kollegium anbringen.
    @Würfelhaus

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